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Es mußte ja eigentlich so kommen.
Die Herrschenden lebten in Saus und Braus. Sie ließen sich Schlösser und Burgen bauen.
Sie hielten sich zu ihrer persönlichen Erbauung Musiker und Schauspieler,
ließen sich von Künstlern Werke von bleibendem Wert schaffen.
Wenn für solcherlei Vorhaben das Geld nicht mehr reichte,
wurden einfach die Abgaben für das gemeine Volk erhöht.
(Später verklärte man diese Lebensart. Es hieß rückblickend
,,Er war ein großer Förderer der schönen Künste:-
Das ,,Volk,, jedoch mußte sich krumm und lahm schuften, damit neben
den Abgaben für die Herrscher auch noch ein wenig für den
persönlichen Bedarf übrigblieb.
Es blieb daher nicht aus, daß sich langsam
(es dauerte immerhin einige Jahrhunderte!)
ein gewisser Unwillen regte.
Dies nutzen jetzt Leute aus, die zwar etwas gelernt hatten,
jedoch keinerlei Möglichkeit sahen, ihrerseits im Hofstaat der Herrscher
eine einträgliche Position zu erreichen.
Sie zogen durch die Lande und klärten das Volk über die
Ungerechtigkeit einer solchen Staatsführung auf.
Gleichzeitig trugen sie mit einfachen Worten eine Idee vor,
wie man dies auf Dauer verhindern könne.
Das Volk, so entwickelten sie ihre Idee, sollte eigentlich selbst über sich herrschen.
Es solle gemeinschaftlich beschließen, was es tun, und wie es leben wolle.
Alle sollten zusammenkommen, und jedermann die Möglichkeit erhalten, vorzutragen,
wie er sich die Behandlung bestimmtenr Angelegenheiten für das Allgemeinwohl vorstelle.
Wenn auch die anderen Anwesenden derselben Ansicht waren, werde es so geschehen.
Ein wesentlicher Punkt, der letztlich viele für diese Idee begeisterte,
war natürlich die Aussicht, den Reichtum der Herrschenden zu konfiszieren
und an das Volk zu verteilen.
Nähere Einzelheiten hierzu wurden zunächst nicht mitgeteilt, dies werde nach der
Machtübernahme durch das Volk geregelt.
Da das Volk natürlich über solcherlei Dinge bisher nicht nachgedacht hatte,
war man glücklich, daß die Ideenvermittler sich anboten,
für die Umsetzung solcher Pläne entsprechende Vorschläge zu erarbeiten.
Die Begeisterung wuchs proportional zur Verschlechterung der eigenen Lebensumstände.
Nun haben große Schafherden und Menschenmassen eine durchaus ähnliche Verhaltensweise.
Gelingt es erst einmal einen kleinen Teil in Bewegung zu setzen,
so werden die restlichen Mitglieder schon folgen.
Diese wissen zwar dann meist nicht mehr wohin es eigentlich geht,
und was man dort dann will,
aber man will doch schließlich dabeigewesen sein.
(Sollte sich später herausstellen, daß die Angelegenheit ein
Schlag ins Wasser war, so hat man natürlich damit eigentlich nie etwas zu tun gehabt)
Es rumorte also unter dem gemeinen Volk.
Die meist selbsternannten Anführer ließen sich natürlich sicherheitshalber
auch noch einmal wählen.
Die Wähler waren immer froh, jemanden wählen zu können
der Ideen nicht nur verkaufen kann, sondern sich auch anbietet sie umzusetzen.
Es enthob einen der Mühe und Gefahr, sich etwa plötzlich selbst
in vorderster Kampflinie wiederzufinden..
Leider hatten diese gewählten Theoriestrategen bis dato zumeist keinerlei
Erfahrung darin, wie eine einmal mit den entsprechenden
Parolen aufgehetzte Menge sich verselbständigen kann.
Eine Notbremse gab es hierfür nicht.
So blieb es nicht aus, daß zu Beginn einer großen Revolution
zunächst einmal jeder versuchte, sein Mütchen zu kühlen.
Die jeweiligen Herrscher wurden reihenweise hingerichtet.
und ihre Burgen und Schlösser bildeten die brennende Kulisse dazu
(dies hat sich im Nachhinein trotz allem als Segen erwiesen,
da die heutige Denkmalspflege, große Schwierigkeiten mit der Unterhaltung
dieser Relikte aus unserer Vergangenheit hat.)
Wie immer nach solcherlei Vorkommnissen, tritt nach einer
gewissen Zeit von selbst wieder eine Beruhigung ein.
Zwar wird hier und da noch ein ehemaliger Herrscher in einem Versteck
aufgespürt und erschlagen, aber ansonsten tritt wieder Ruhe ein.
Die Zeit des Nachdenkens beginnt, und schon nach wenigen Monaten fragt
der erste Bürger aus dem ehemals gemeinen Volk nach dem eigentlichen Nutzen der Aktion.
Wo bleiben denn nun die versprochenen Verbesserungen,
es sollten doch die eingenommenen Besitztümer verteilt werden?
Leider jedoch ist dies zur Zeit noch nicht möglich.
Die ehemaligen Regierungssitze sind zunächst einmal wieder
(allerdings provisorisch, wie ausdrücklich bestätigt!)
Regierungssitze.
Es sitzen dort jetzt die geistigen Köpfe der Revolution.
Sie müssen jetzt erst einmal eine Erfolgsbilanz aufstellen,
das Erreichte auf seine Verwertbarkeit prüfen, um dann,
eventuell mit der Verteilung beginnen zu können.
Außerdem muß natürlich für eine Regierung ein gewisser Rahmen vorhanden sein,
man muß ja im internationalen Rahmen agieren.
Also sei es das Beste für das Volk , erst einmal so weiterzumachen,
um die Versorgung der Bevölkerung sicherzustellen.
Mancher hat sich nach einer solchen Revolution schon gefragt,
wozu das Ganze für ihn persönlich eigentlich gut gewesen ist.
Vom Verteilen hat er noch nichts gemerkt, außer, daß Diejenigen,
die vorher gar nichts hatten als einen -
jetzt plötzlich in Schlössern residierten, vom Volk kaum noch
zu erreichen waren und die Vokabel *Umverteilung* zum Fremdwort erhoben.
Es war eben alles nicht so einfach!
Demokratie sollte jetzt die neue Verwaltungsform heißen.
Die Regierung
(so etwas brauchte man schließlich als Ersatz für die dahingeschiedenen Herrscher)
sollte jetzt vom Volk gewählt werden.
Teilweise hatten sich jedoch die Rädelsführer der Revolution,
die sich jetzt “Politiker” nannten, bereits an ihre neue Macht gewöhnt,
sodaß auch sie mit sanftem Nachdruck daran erinnert werden mußten,
daß sie sich zunächst einer Wahl zu stellen hatten.
Es herrschte allgemeine Verwirrung.
Mit solcherlei Schwierigkeiten hatte man eigentlich gar nicht gerechnet.